Generation Z: Wichtige Faktoren zur Gewinnung und Bindung von Nachwuchskräften

Generation Z: Wichtige Faktoren zur Gewinnung und Bindung von Nachwuchskräften

Laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gibt es eine steigende Anzahl von Ausbildungsabbrüchen und offenen Ausbildungsstellen. In den Jahren 2017 und 2018 wurde jedes 4. Ausbildungsverhältnis vorzeitig beendet. Während im Jahr 2004 noch 95 freie Ausbildungsplätze 100 Auszubildenden gegenüberstanden, sind es mittlerweile bereits 106 freie Ausbildungsplätze. Die Probleme bei der Besetzung von Ausbildungsstellen sind neben dem Überschuss an Ausbildungsplätzen außerdem im Trend zur akademischen Ausbildung, im demografischen Wandel sowie im Fachkräftemangel begründet. Für Unternehmen besteht daher in der Zukunft die große Herausforderung, aus einer geringeren Anzahl von Bewerbern passende Nachwuchskräfte zu finden und langfristig an das Unternehmen zu binden. In Anbetracht dieser Herausforderungen ist es umso wichtiger, zu erörtern, welche Faktoren für die Gewinnung und Bindung von Auszubildenden von Bedeutung sind. Erfolgreiche Mitarbeiterbindung ist durch verschiedene Gesichtspunkte gekennzeichnet. Ein entscheidender Punkt für die langfristige Bindung von Mitarbeitern an das Unternehmen stellt gemäß dem Modell des organisationalen Commitments nach Meyer & Allen (1984) neben finanziellen Aspekten vor allem die emotionale Verbundenheit des Mitarbeiters mit dem Unternehmen dar. Die emotionale Verbundenheit des Mitarbeiters mit dem Unternehmen wird auch als affektives Commitment bezeichnet und zeigt sich darin, dass das Unternehmen einen hohen persönlichen Stellenwert für den Mitarbeiter hat. Doch wie erreicht man ein hohes affektives Commitment bei Nachwuchskräften? Diese Fragestellung haben Drescher & Warszta (2020) näher untersucht, in dem sie 457 Auszubildende aus verschiedenen Branchen befragt haben. Dafür wurden zunächst die für die Generation spezifischen Bedürfnisse analysiert, denn neben den individuellen Wertvorstellungen, welche junge Menschen beim Eintritt in das Berufsleben haben, gibt es außerdem kollektive und generationsspezifische Werte, die sich in jeder Generation aufgrund veränderter Lebensumstände wandeln. Man bezeichnet den jetzt in das Berufsleben eintretenden Jahrgang auch als Generation Z. Diese ist stark geprägt von der Digitalisierung und der Globalisierung der Märkte und der Gesellschaft. Der fortschreitende Wandel in Arbeitsleben und Gesellschaft trägt zu einer hohen Unsicherheit bei, wodurch der Fokus dieser Generation insbesondere in Familie, Arbeitsplatzsicherheit und Zukunftsträchtigkeit des Berufs liegt. In der Untersuchung von Drescher & Warszta (2020) wurde auf Basis einer Literaturanalyse zunächst ein Modell potenzieller Faktoren entwickelt, die auf Basis früherer Forschungen auf das affektive Commitment einwirken. Dazu gehören die Person, die sozialen Bedingungen, die Tätigkeit, die Rahmenbedingungen, die Berufsschule und die Zukunftsfähigkeit des Berufs. Diese Faktoren wurden dann gemeinsam mit der individuellen Ausprägung des affektiven Commitments auf einer Skala erfasst und regressionsanalytisch untersucht. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass soziale Unterstützung, gute Arbeitsbedingungen, gerechte Entlohnung und die Zukunftsfähigkeit des Ausbildungsberufs relevante Prädiktoren für ein hohes affektives Commitment waren. Am meisten fiel dabei der Faktor der sozialen Unterstützung ins Gewicht.

Was lässt sich nun aus diesen Ergebnissen für die Gewinnung von Nachwuchskräften ableiten? Mit der sozialen Unterstützung als wichtigster Einflussfaktor auf die Entstehung eines hohen affektiven Commitments kann dieses von Beginn an durch einen umfassenden Onboarding-Prozess gefördert werden, d.h. der Auszubildende wird vom ersten Tag an in das Team integriert. Unterstützt werden kann dieser Prozess durch eine ausführliche Vorstellungsrunde zu Beginn sowie durch Einführungsveranstaltungen oder die Zuteilung eines festen Ansprechpartners im Sinne eines Mentors. Auch die Führungskraft spielt dabei eine wichtige Rolle, denn sie kann das Zugehörigkeitsgefühl des jungen Arbeitnehmers durch eine wertschätzende Kommunikation sowie regelmäßige Mitarbeiter- und Entwicklungsgespräche fördern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Unternehmen bei der Gewinnung und langfristigen Bindung von Nachwuchskräften einen besonderen Fokus auf die Förderung sozialer Unterstützung, guter Arbeitsbedingungen, sinnstiftender Arbeitsaufgaben sowie auf die Zukunftsfähigkeit des Ausbildungsberufs legen sollten, um entsprechend gute Mitarbeiter zu gewinnen und diese langfristig im Unternehmen zu halten.

Quelle: Drescher, L. und Warszta, T. (2020): Gekommen, um zu bleiben – Identifikation von Bindungsfaktoren bei Auszubildenden, Wirtschaftspsychologie Heft 4-2020/1/2020.