Impostor-Selbstkonzept – Wie negative Überzeugungen Leben und Karriere beeinflussen

Impostor-Selbstkonzept – Wie negative Überzeugungen Leben und Karriere beeinflussen

Unser Selbstkonzept, also die Gesamtheit aller Überzeugungen über die eigene Person sowie die zugehörigen Bewertungen, beeinflusst uns in allen Lebensbereichen. Halten wir positive Überzeugungen über uns selbst, erleichtert dies unseren Alltag und unsere Lebensgestaltung. Ist unser Selbstkonzept jedoch negativ ausgeprägt, das heißt wir halten negative Kognitionen über uns selbst und unsere Fähigkeiten, so beeinträchtigt uns dies und wirkt sich negativ auf verschiedene Lebensbereiche aus. Einige Menschen leiden unter so extremen Selbstzweifeln, dass sie nahezu alle Erfolgserlebnisse ihres Lebens nicht etwa auf ihre Kompetenzen und Fähigkeiten zurückführen, sondern schlicht dem Zufall zuschreiben. Besonders stark äußert sich diese Fehlattribution beim sogenannten Impostor-Syndrom (auch Hochstapler-Syndrom genannt). Man versteht darunter eine Persönlichkeitsausprägung, die vor allem durch mangelndes Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten und beständige Versagensängste geprägt ist. Dieses innerpsychische Phänomen tritt sehr häufig bei erfolgreichen Menschen auf, die sich jedoch selbst als inkompetent wahrnehmen und in der Folge befürchten, andere Menschen im Hinblick auf ihre Kompetenzen zu täuschen. Betroffene leben in dauerhafter Anspannung, haben Angst vor potenziellen Misserfolgen und sorgen sich davor, dass der „Betrug“ – also ihre subjektiv wahrgenommene Inkompetenz – auffliegen könnte. Dabei sind sie meist sehr leistungsorientiert, arbeiten hart und erzielen zahlreiche Erfolge, die sie jedoch selbst nicht als solche wahrnehmen. Ein besonderes Merkmal des Impostor-Syndroms ist stark ausgeprägter Perfektionismus, dieser rührt daher, dass die betroffenen Personen durch perfektionistisches Handeln ihre vermeintliche Inkompetenz zu kompensieren versuchen. Diese hohe Anspruchshaltung gegenüber sich selbst verbunden mit der permanenten Sorge, kann sich im schlimmsten Fall sogar bis hin zu einer Burnout-Symptomatik entwickeln. Doch auch das gegenteilige Extrem ist ein Merkmal des Impostor-Syndroms: starke Prokrastination. Extreme Selbstzweifel führen dazu, dass betroffene Personen sich aus Angst vor Versagen überhaupt nicht mehr anstrengen. In der Folge kommt es zu Misserfolgen, diese wirken dann im Sinne einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung als weitere Bestätigung der eigenen Inkompetenz und einer Verstärkung des negativen Selbstkonzeptes. Beide Strategien – Perfektionismus und Prokrastination – dienen dem Schutz des eigenen Selbstwertes: durch die perfektionistische Herangehensweise wird die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns minimiert, durch ständiges Prokrastinieren kann ein mögliches Versagen der knappen Vorbereitungszeit zugeschrieben werden. In beiden Fällen wird die eigene Leistung nicht durch eigene Fähigkeiten, sondern durch äußere Umstände begründet, demzufolge wirken sich Erfolgserlebnisse nicht positiv auf Selbstvertrauen und Selbstkonzept aus. Das Gegenteil ist der Fall: durch eine positive Reaktion des Umfeldes auf erreichte Erfolge, nehmen Personen mit Impostor-Syndrom eine Erwartungshaltung von außen für die zukünftigen Leistungen wahr, was wiederum den Leistungsdruck und die Versagensängste erhöht. Es entsteht ein Teufelskreis und das psychische Wohlbefinden wird durch ein höheres Stresserleben negativ beeinträchtigt. Diese Thematik erzeugt für den Betroffenen nicht nur einen erheblichen Leistungsdruck, sondern kann sich auch negativ auf die eigene Karriere auswirken. Berufliche Anforderungen werden von Menschen mit Impostor-Syndrom nicht als zu bewältigende Herausforderungen betrachtet, sondern als potenzielle Situationen des Scheiterns. In der Folge werden anspruchsvollere Aufgaben oder Tätigkeitsbereiche eher gemieden, was dazu führt, dass die Personen häufig unterhalb ihres tatsächlichen Leistungsniveaus verbleiben und ihr Potenzial nicht voll ausschöpfen. Aus diesem Grund ist es für die Betroffenen sehr wichtig und hilfreich, entsprechende Bewältigungsstrategien zu erlernen und neue Verhaltensweisen zu etablieren. An erster Stelle steht dabei die Aufklärung über das Impostor-Syndrom und dessen Auswirkungen. Im nächsten Schritt ist es notwendig, die negativen Schemata über das eigene Selbst zu bearbeiten. Dies kann im betrieblichen Kontext insbesondere über Personalentwicklungsmaßnahmen erreicht werden, bei denen individuelle Ressourcen analysiert, eigene Erfolge reflektiert und mit den persönlichen Kompetenzen in Verbindung gebracht werden. Zur weiteren Unterstützung der Angleichung von Selbst- und Fremdwahrnehmung können Coachings genutzt werden. Durch die weitreichenden, negativen Auswirkungen des Impostor-Syndroms auf das persönliche Wohlbefinden, die berufliche Entwicklung sowie die psychische Gesundheit ist es von hoher Relevanz, diesem Thema mehr Aufmerksamkeit zu geben und insbesondere im betrieblichen Kontext für Aufklärung zu sorgen und Raum für Unterstützung und Bewältigung zu kreieren.

Quelle:

https://wirtschaftspsychologie-aktuell.de/magazin/personal/wie-das-impostor-selbstkonzept-die-karriere-beeinflusst

https://www.spektrum.de/news/impostor-syndrom-die-selbstzweifel-ueberwinden/1958821