Onboarding – über die Bedeutung eines guten Startes

Onboarding – über die Bedeutung eines guten Startes

Der erste Eindruck hat keine zweite Chance – ein bekanntes Sprichwort, was in vielen Situationen sicher seine Berechtigung hat. So auch bei der Einarbeitung neuen Personals: ein erfolgreicher Onboarding-Prozess ist ein wichtiger Bestandteil der Integration neuer Mitarbeiter. Das Onboarding beschreibt den systematischen Integrationsprozess der neuen Arbeitnehmer in das Team und in die jeweilige Unternehmenskultur. Viele verschiedene Faktoren tragen zu diesem Prozess bei und die Verantwortung obliegt größtenteils der Personalentwicklung. Erfolgsrelevant für den Prozess sind insbesondere die Standardisierung und Strukturierung des Einarbeitungsprozesses, die Vermittlung der Unternehmenskultur und -werte sowie die Berücksichtigung der individuellen Persönlichkeit bei der Gestaltung des Prozesses. Doch wie genau gestaltet sich nun der optimale Onboarding-Prozess?

Strukturierung und Standardisierung des Onboarding-Prozesses

Wie bereits erwähnt trägt die Personalabteilung die Verantwortung für die Gestaltung des Onboardings, da diese auch den ersten Kontakt mit dem neuen Teammitglied hat. Doch der Prozess beginnt nicht etwa erst am ersten Arbeitstag des neuen Mitarbeiters, sondern schon vorher, nämlich bei der Vorbereitung des bestehenden Personals in dem Sinne, dass eine klare Verteilung der Aufgaben für die Einarbeitung erfolgt sowie die Wichtigkeit des Einarbeitungsprozesses für alle Beteiligten vergegenwärtigt wird. Neben der Personalabteilung spielt natürlich auch die zukünftige Führungskraft eine wichtige Rolle: mit einem offenen Austausch zu Beginn des Arbeitsverhältnisses hinsichtlich der Anforderungen und der gegenseitigen Erwartungen kann der Weg für eine gute Zusammenarbeit sowie für eine offene Kommunikation mit entsprechender Feedbackkultur geebnet werden. Die Integration des neuen Mitarbeiters muss sowohl auf einer inhaltlichen als auch auf einer sozialen Ebene erfolgen. Die inhaltliche Integration beschreibt die Einführung in die zukünftigen Aufgabengebiete, die Vermittlung wichtiger unternehmensspezifischer Informationen sowie das vertraut machen mit den IT-Systemen. Die soziale Integration dient der Etablierung eines vertrauensvollen und angenehmen Verhältnisses im Team und kann durch entsprechende Teamevents gefördert werden. Gemäß einer Studie von Saks, Uggerslev und Fassina (2007) sollte sich der gesamte Onboarding-Prozess über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten erstrecken. Ist dieser Prozess erfolgreich, so trägt er nicht nur zum Wohlbefinden und der Identifikation des Mitarbeiters mit dem Unternehmen bei, sondern führt natürlich auch zu einem umfassenderen Verständnis des Tätigkeitsbereichs, was sich positiv für das Unternehmen auswirkt.

Integration in die Unternehmenskultur

Die Unternehmenswerte ebenso wie die Unternehmenskultur sollten schon früh kommuniziert werden, damit eine gute Passung zwischen den Werten und Vorstellungen des Mitarbeiters und denen des Unternehmens sichergestellt werden kann. Ebenso wichtig ist die Vermittlung eventueller Verhaltensregeln, „ungeschriebener Gesetze“ und Hierarchien, damit sich das neue Teammitglied von Beginn an gut zurechtfindet. Eine gute Gestaltungsmöglichkeit für diesen Teil des Onboarding-Prozesses ist die Zuordnung eines Mentors, der schon längere Zeit im Unternehmen beschäftigt ist und dem Neuankömmling nicht nur sein unternehmensbezogenes Wissen auf Augenhöhe vermitteln kann, sondern auch für etwaige Fragen und Anliegen zur Seite steht. Selbstverständlich gilt es zu beachten, dass ein berufserfahrener neuer Mitarbeiter möglicherweise weniger Unterstützung benötigt als ein Berufseinsteiger.

Bedeutung und Wertschätzung der individuellen Persönlichkeit im Onboarding-Prozess

Wir alle sind verschieden und unterscheiden uns in unseren Bedürfnissen und Motiven je nach Art unserer Persönlichkeitsausprägung. Während es dem einen leicht fällt, neue Kontakte zu knüpfen und sich in ein neues soziales Gefüge einzufinden, stellt dies für den anderen möglicherweise die größte Herausforderung dar. Der Vielfalt und Komplexität sollten demzufolge auch bei der Einarbeitung neuer Mitarbeiter begegnet werden, und zwar im Hinblick auf Charakter, individuelle Motive und Kompetenzen. Eine extravertierte Persönlichkeit benötigt möglicherweise weniger Zeit, um sich in das Team zu integrieren, eine introvertierte Person hingegen wartet eher auf die Initiative des Teams. Gleiches gilt für unsere Motive: ein Mensch mit einem hohen Anschlussmotiv legt einen größeren Wert auf das Miteinander und den gegenseitigen Austausch, während Personen, die stark leistungsorientiert sind, ihre Motivation aus herausfordernden Aufgaben mit hoher persönlicher Verantwortung ziehen. Zu guter Letzt trägt die Analyse der individuellen Kompetenzen dazu bei, herauszufinden, an welcher Stelle im Unternehmen der Mitarbeiter am besten aufgehoben ist, um die besten Leistungen zu zeigen und seine Stärken bestmöglich zum Ausdruck zu bringen.

Abschließend bleibt zu sagen, dass die Gestaltung des Onboarding-Prozesses eine komplexe Zusammensetzung vieler Faktoren ist, die auf mehreren Ebenen stattfindet und nicht nur mit einer kurzen fachlichen Einarbeitung beendet ist. Jedoch lohnt sich die Etablierung eines umfassenden Onboarding-Prozesses, denn ist dieser erfolgreich, stellt es eine Win-Win-Situation für den neuen Mitarbeiter sowie für das Unternehmen dar und trägt außerdem zu mehr Arbeitszufriedenheit und -motivation sowie besserem Teamzusammenhalt bei.

Quelle:

https://www.wirtschaftspsychologie-aktuell.de/magazin/4-faktoren-fuer-ein-gelungenes-onboarding/195/

Zugriff am 20.11.2021